Die Legende von der Kussnische und der Gründung der Ehrenburg
Einst zog ein junger Ritter aus dem Gefolge des Pfalzgrafen bei Rhein von Mainz her nach Trier, um dem Erzbischof eine Botschaft zu überbringen. Dem Rheintal folgend bis Boppard geritten, führte ihn sein Weg steil bergan in die Wälder des Hunsrück. Statt nun den Höhenweg einzuschlagen, folgte er einem Einfall und befahl seinem Knappen, ihm auf dem engen Seitenpfade nun dichter zu folgen, um auf direktem Wege zum Moseltal hin ein Stück des Weges einzusparen.
Die Sonne stand schon tief, als sich die Gefährten einem Felssporn am steilen Rande des tiefen Grabens näherten, den die Mosel hier seit undenklicher Zeit in das Schiefergebirge geschnitten hatte.
Noch wussten die beiden nicht, daß der Weg hier ohnehin nicht weiterführte, als plötzlich ein weißer Hirsch vor ihnen durchs Gehölz sprang. Dem edlen Tier bereits dicht aufgeschlossen folgten drei Berittene, einer offenbar ein Ritter im Jagdgewand, dicht drauf eine anmutige Gestalt im Damensattel und etwas abgeschlagen ein Reisiger oder Knappe. Und obgleich beider Jagdbögen trefflich geführt wurden, entkam der Hirsch und man sah nicht weit die Reiter abgesessen.
Man machte einander bekannt und die Reisenden erfuhren, daß der Jäger Herr eines wehrhaften Hofes auf dem Maifelde und die Jägerin seine Schwester war. Da der Tag sich der Nacht zuneigte, wählten sie den kleinen Wildgarten auf jenem steilen Sporn als gemeinsame Lagerstatt, wo ihnen eine Felsenkammer schlichtes Obdach bot.
Und hier geschah es, dass der junge Ritter und das schöne Fräulein in Minnebande fielen. Unter wildem Efeu nah der Feuerstelle küssten sie sich, gelobten einander ewige Treue und der junge Ritter beschloss, auf diesem Sporn eine neue Burg zu errichten.
Als der Ritter später den Bauplatz roden ließ, trat aus dem dichten Bewuchs des Wildgartens eine Steinstele hohen Alters zutage, deren Inschrift das glückliche Paar zutiefst bewegte. Schien es doch, daß eine hellsichtige Seele in grauer Vorzeit das unverhoffte Jagdglück des jungen Paares und den Bau dieser Burg vorausgesehen hatte.
Der geheimnisvolle Stein blieb lange verschollen. Doch eine weitere Legende sagt, dass er zusammen mit dem sagenhaften Schatz des letzten Ehrenbergers bis auf den heutigen Tag unter den Mauern der Oberburg, nahe bei der Kussnische, verborgen liegt.
Die Legende sagt weiter, dass die Liebenden, die sich hier mit einem Kuss die Treue schwören, für immer ein Paar sein werden.